VERENABÄDER

An Ort und Stelle des 2000 jährigen, historischen „Freibades“ und „St. Verenabades“ auf dem Kurplatz inszenieren Bagni Popolari seit 2015 regelmässig temporäre „Verenabäder“. Diese sind zwar mit rund 40m2 Wasserfläche rund halb so gross wie die Originale. Doch Idee und der vorherrschende Geist vom gemeinsamen Bad auf dem Platz bleiben.

SENSATIONELL: RÖMISCHE VORGÄNGERBÄDER

Im Mai 2020 haben Bauarbeiten auf dem Kurplatz just das Vorbild, dieses vor rund 150 Jahren zugedeckte Verenabad wieder zu Tage befördert. Die Lage und Grösse des Beckens waren gut bekannt, überraschend nun aber: Das Verenabad lag eingebettet in einem noch grösseren Becken römischen Ursprungs. Was aufgrund von alten Stichen und Beschreibungen lange vermutet wurde, bestätigt sich: Als ursprünglich römisches Becken dürfte das Verenabad im Herzen der Bäderstadt über 2000 Jahre lang in Betrieb gewesen sein.

Da von den aktuellen Grabungen rund um das Verenabad (und später wohl auch das Freibad) wenig öffentlich zu erfahren ist, betreiben Bagni Popolari unter www.verenabad.ch ein Grabungstagebuch. Damit Besuchende und Einheimische die Funde und Erkenntnisse aus nächster Nähe mitverfolgen können.

Bild: Kantonsarchäologie Aargau, Kanton Aargau
Karte: Anonymer Plan ca. 1732 mit Frei- und Verenabad auf dem Kurplatz (Quelle: Stadtarchiv Baden)

 

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Bild: Kurplatz um 1800, im Vordergrund Verenabad, im Hintergrund Freibad und Hotel Raben (zuletzt Schweizerhof), rechts Hotel Blume. In der Bildmitte der kleine und grosse Heisse Stein über den darunter liegenden Quellen, überhöht als Sitzmöglichkeit. Heute liegt die Steinplatte verkehrsgerecht im Asphalt versenkt. (Quelle: Stadtarchiv Baden)

 

 

VERENABAD FANTOCHE 2020

Wieder Baden! Am 18. internationalen Festival für Animationsfilm darf wieder gebadet werden. Aufgrund der Baustellen auf dem Kurplatz auch 2020 im „Exil“. Und zwar auf dem Ennetbadener Hirschenplatz. Wobei? Eigentlich auch das ein Bäderplatz! Lagen hier in den „kleinen“ Bädern sogar noch länger als auf dem Badener Kurplatz öffentliche Freibäder.

–> Fantochebad 2020

VERENABAD FANTOCHE 2018

Für einmal nicht auf dem Kurplatz, sondern quasi im Exil – Unter der Schiefen Brücke, vor dem ehemaligen Armenbad, welches nach der Aufhebung des Verenabades Mitte 19. Jahrhundert den Armen eine Kurmöglichkeit bot.

–> Eau là là – Zeit für ein Bad – Fantochebad 2018

VERENABAD FANTOCHE 2016

Am 11. September 2016 endete in Baden die 14. Ausgabe des internationalen Animationsfilmfestivals Fantoche. Mit dem Schwerpunktthema „La condition humaine“ leistete sich Fantoche auch etwas, was Badenerinnen und Badenern seit 150 Jahren verwehrt bleibt: ein „Bagno popolare“, ein Thermalbecken auf dem ehemaligen Bäderplatz. In Baden darf gebadet werden. Naheliegend aber gar nicht so selbstverständlich.

Auf dem heutigen Kurplatz betrieb die Stadt Baden nämlich bis 1840 die beiden offenen ca 1.80m tief im Platz eingelassenen Thermalbecken, das Frei- und St. Verenabad. Eingerichtet waren sie vermutlich in ursprünglich römischen Bassins, davon geht die Aargauer Kantonsarcheologie jedenfalls aus. Als öffentliche Gemeinschaftsbäder waren das Verena- und Freibad der einfachen Bevölkerung und Laufkundschaft vorbehalten, denen der Zugang zu den feinen Bäderhotels und Badehöfen verwehrt blieb. Während für das einfache Volk und die Armen zumeist körperliche Leiden Anlass zu einer Badenfahrt waren, schwelgte die Oberschicht aus aller Welt stets in den privaten Bäderhöfen der frivolen Heiterkeit. Eine Modernisierungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Badens Bäderviertel noch einmal zum international beachteten Kurort, liess aber die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel endgültig verschwinden. Nur Otto Glaus‘ 1964 eröffnetes und 2012 verlottert wieder geschlossenes Thermalhallenbad vermochte dem Wunsch nach einem öffentlichen Thermalbad noch einmal zu entsprechen. Nun, da die angekündigte Eröffnung des umstrittenen Botta-Bades einmal mehr in die Zukunft rückt, darf 2016 auf den vor 600 Jahren, 1416, von Poggio Bracciolini geschilderten Bäderbetrieb in Baden geschielt werden. Bemerkenswert: Der Humanist und bekennende Republikaner im Dienst der römischen Kurie beschreibt im siebenseitigen Brief an seine Florentiner Freunde wie „vor aller Augen auf beiden Seiten des Platzes, die Badebecken der Menge und des gewöhnlichen Volkes (liegen), in die Frauen und Männer, junge Burschen und unverheiratete Mädchen und der ganze Bodensatz der Herumtreiber hinabsteigen“. In den von der Natur gespendeten Reichtum. Bracciolini macht es Spass, dem herrlichen Schauspiel zuzusehen und er erkennt darin nichts, was an eine soziale Privilegierung gebunden wäre. Ja, in Baden darf gebadet werden!

Ein vergängliches, sorgsam aus Schalungsträgern kraftschlüssig und nach historischen Proportionen gestecktes Thermalwasserbecken von 40m2 war es, das während der Fantoche-Fesivalwoche vom 7.- 11. September mit frischem Thermalquellwasser beschickt und frei zugänglich war. Das Bagno Popolare fragte also nach jener zentralen „condition humaine“ mit welcher der Mensch zu dem werden kann, was er ist: seiner Tätigkeit des Handelns. Eine Einführung und Lesung zum 600 jährigen Schreiben Bracciolinis, Konzerte sowie nächtliche Animationsfilm-Schauen am Thermalbassinrand bildeten rückblickend nur den unterhaltenden Rahmen der eigentlichen Überraschung: Das von Festivalgästen und Einheimischen erst zaghaft, dann ausgelassen genossene Bad auf dem Platz entwickelte sich quasi zur alltäglichen Praxis: Ob nachmittags, nachts oder am Sonntagmorgen und schon mal mit dem Verweis darauf, Thermalwässer gehörten ja schliesslich allen, stiegen Junge neben Seniorinnen und Animationsfilmern unter aller Augen auf dem historischen Platz zum gemütlichen Bade. Einfache Eintauchen. Selbstverständliche Praxis in fast jedem mit Thermalwasser gesegneten Ort der Erde und Handlung welche im Sinne räumlicher Bedeutungsproduktion kaum zu überbieten ist. Und die eigentlich nur minimalste Voraussetzungen benötigt: Boden, Wände und heisses Wasser. In Baden kann gebadet werden.

VERENABAD KULTOUR 2015

Seit Urzeiten sprudeln Thermalwässer und werden von der Limmat verschluckt. Wie sich Menschen vom wärmenden Wasser verwöhnen lassen hat unterschiedliche Kulturen hervorgebracht: Bäderbauten  und Rituale. Der Kurplatz erhält für einen Tag ein öffentliches Bad wie es bis ins 19.Jh. selbstverständlich war. Nun jedoch mit Projektionen, Lesungen und Tönen. Die Installation erlaubt es Besuchenden, im temporären Bad einzutauchen, welches von überschüssigem Thermalwasser gespiesen wird. Mit Projektionen, Lesungen und Musik interpretieren noch zu bestimmende Kunstschaffende die Badekulte und mit dem Baden verbundene Kulturpraktiken. Die wichtigste: Das Baden ist öffentlich und findet für Besucher_innen auf dem Kurplatz, am Standort des historischen Verenebades statt. In den letzten 2 Jahren haben im Verborgenen immer wieder solche Bäder statt gefunden und das Bedürfnis nach gemeinschaftlichem Baden aufgezeigt.